Das CU.Office wird 1

Das CU.Office feiert seinen 1. Geburtstag

Als wir im April 2020 durch unseren Kiez spaziert sind, stand diese Immobilie mit dem schönen alten Hundesalon-Schild überm großen Schaufenster plötzlich leer. Diese Entdeckung fühlte sich irgendwie schicksalhaft an, war die Ladenfront doch zuvor jahrelang verrammelt und das alte Schild verhangen.

Zu diesem Zeitpunkt haben wir nach einem neuen Büroplatz gesucht, von wo aus wir unseren verschiedenen Projekten nachgehen können. Diese Räumlichkeiten boten aber viel mehr Platz, als wir allein füllen könnten und außerdem ein enormes Potenzial, das uns sogleich Ideen spinnen ließ.

Da wir einen beruflichen Hintergrund im Bereich Quartiersentwicklung haben und einen Verein, der nachhaltige Projekte in diesem Bereich umsetzt, haben wir uns entschlossen, den Ort für die Menschen im Kiez zu öffnen und diese alte Gewerbefläche gemeinwohlorientiert umzunutzen. Und so wurde aus dem früheren Hundesalon Angelique das CU.Office.

Nachhaltiges Co-Working

Das CU.Office ist ein Coworking Space mit einem Fokus auf ökologische Nachhaltigkeit und soziales Unternehmertum. Mit diesem kollaborativen Projekt bewegen wir uns rund um die Themen Nachhaltigkeit, New Work und Partizipation. Wir wollen das Bewusstsein für Nachhaltigkeit und Achtsamkeit in der Arbeitswelt stärken – ob konkret im Coworking Space oder allgemein in der Arbeitswelt.

Die Leute dahinter

Das sind wir, Anika und Ruben.

Anika ist gelernte Bekleidungsingenieurin und hat einige Jahre in diesem Bereich gearbeitet. Seit ihrem beruflichen Neuanfang in 2018 arbeitet Anika als Texterin und Konzepterin für Content und Projekte rund um das Thema Nachhaltigkeit und außerdem im Partner & Customer Success Team von Too Good To Go. Too Good To Go ist eine App gegen Lebensmittelverschwendung, über die Gastronomie und Lebensmittelgeschäfte überschüssige Lebensmittel anbieten können.

Im CU.Office ist Anika vorwiegend für das Office- und Nachhaltigkeitsmanagement  sowie für die kreative Konzeption und Gestaltung zuständig.

Ruben hat Stadt- und Regionalentwicklung studiert und sich dabei insbesondere mit dem Thema Shareconomy beschäftigt. Später wurde er dann Gründer mehrerer Digitalagenturen und wissenschaftlicher Mitarbeiter der TU Braunschweig. Dort durfte Ruben das Forschungsprojekt Sandkasten, eine Webplattform für Studierenden- und Mitarbeitendenbeteiligung, begleiten. Die Idee und das Konzept dieser Beteiligungsplattform will er nun in das Projekt CU.Office übertragen. 

Im CU.Office kümmert Ruben sich vor allem um das Community-Management und die Betreuung der Rahmen-Projekte und Veranstaltungen. 

New Green Work

Wie wir darauf kamen, das Shareconomy-Prinzip eines Coworking Spaces auf ein ganzheitlich nachhaltiges Konzept auszuweiten? Ganz einfach: Wir müssen nicht nur im Privaten (ökologisch) nachhaltigere Entscheidungen treffen, sondern auch bei der Arbeit – dort, wo wir einen Großteil unseres Tages verbringen.

Büros sind üblicherweise nicht gerade das umweltfreundlichste Umfeld – gerade digitale Arbeit bedeutet oft einen hohen Energieaufwand. Aber auch die (gerade für Deutschland typische) Zettelwirtschaft, die Büroküche und die Sanitärräume sind erhebliche Faktoren.

Wir wollen herausfinden, wie wir dies ändern können und Vorbild darin sein, ein ganzheitlich nachhaltiges Arbeitsumfeld zu schaffen. Das momentan sehr populäre New Work Modell konzentriert sich meist auf zwischenmenschliche Achtsamkeit, bessere Kommunikation und neuartige Unternehmensstrukturen. Alles Themen, die auch uns bewegen. Aber oft wird das Thema ökologische Nachhaltigkeit vernachlässigt. Dies wollen wir ändern.

Das ultimative Lockdown-Projekt

Kreativ zu werden, als es um das Entwickeln des Konzeptes ging, und die körperliche Arbeit während der Renovierungsphase waren eine mehr als willkommene Abwechslung zum Homeoffice und dem monotonen Pandemie-Alltag. 

Zudem hatten wir das Gefühl, dass ein Bedarf nach solch einem Ort da war. Wir haben recht schnell bemerkt, dass einige der Menschen, die auf uns zukamen, Pärchen mit Kindern waren, die nach einer Alternative zum Homeoffice gesucht haben, wo fokussiertes und konzentriertes Arbeiten möglich ist. Sie wechseln sich seitdem einfach mit der Kinderbetreuung zuhause und dem Arbeiten im Coworking Space ab. 

Aber auch Freiberufler*innen und Angestellte kommen gerne zu uns, weil sie ein Arbeitsumfeld schätzen, das nah an ihrem Zuhause ist und gerne Gleichgesinnte treffen und Teil dieser neuartigen Bewegung sein wollen. 

Natürlich war es auch ein finanzielles Risiko, mitten in einer Pandemie zu starten. Aktuell sind wir bei 50 % der kalkulierten (und finanziell notwendigen) Mitgliederzahl  – allein, weil wir nur 50 % unseres Arbeitsplätze besetzen können, um die AHA-Regeln einhalten zu können und um ein sicheres Arbeitsumfeld zu schaffen. Es gibt noch immer keine offiziellen Richtlinien für Coworking Spaces, aber wir denken, dass wir es mit unseren internen Regelungen ermöglichen, dass sich alle Mitglieder wohlfühlen können.

Da wir momentan nur die Hälfte der vorhandenen Kapazität nutzen, ist unser Projekt weit davon entfernt, kostendeckend zu sein, geschweige denn ein Gehalt für uns auszahlen zu können. Weil das Betreiben des CU.Offices aber nicht unser Hauptjob ist, können wir es uns aktuell noch leisten, das Projekt am Leben zu halten. Wir sind dieses Privileges vollkommen bewusst und sehr dankbar dafür, dass wir diese Möglichkeit haben. 

Trotzdem können wir es natürlich kaum erwarten, unseren Raum mit noch mehr tollen Menschen zu teilen und gemeinsam Projekte und Events umzusetzen.

Und wenn der Lock-Down vorbei ist?

Wir haben bereits viele Ideen für Pop-up-Konzepte und Spendenprojekte im Kopf. Eine davon ist, die “Futter Teresa”, ein Foodsharing-Café, welches wir ursprünglich in Braunschweig und in Kooperation mit der Technischen Universität initiiert haben, nach Berlin zu bringen. Mit “Teresa’s Kiezkantine” wollen wir Speisen aus geretteten Lebensmitteln anbieten – zubereitet und serviert in den Räumen unseres CU.Office.

Daneben sind wir bereits mit einigen großartigen Organisationen, lokalen Kreativen und Produzent*innen in Kontakt und freuen uns darauf, gemeinsam gute Projekte umzusetzen.

Außerdem wollen wir noch mehr Content für unseren Blog und Social Media kreieren und Ideen und Anstöße für nachhaltiges Arbeiten geben.

Dieser Beitrag basiert auf einem Interview für Cobot – die Coworking Management Software.

Beitragsfotos: Rica Rosa und CU.Office