Sandkastenliebe

Zwei Jahre lang durfte ich am Sandkasten –  Selfmade Campus Projekt mitwirken, ehe mitten in der Corona Krise mein Vertrag auslief und es mich zurück nach Berlin verschlug.

Eher zufällig verschlug es mich zuvor, in 2018, zurück nach Braunschweig in meine alte Heimatregion. Damals wurde mir eine Stelle an der TU Braunschweig angeboten, um das Selfmade Campus Projekt mit voranzutreiben. Es war mit Anfang 30 meine erste Anstellung im öffentlichen Dienst und ich war, um es milde auszudrücken, irritiert, wie langsam die Mühlen des öffentlichen Dienstes und anderer großen Organisationen mahlen. Meine erste Aufgabe war es, einen Wochenmarkt auf dem Campus zu realisieren, um Studierende, Mitarbeiter_innen und Anwohner_innen mit regionalem und saisonalem Obst und Gemüse zu versorgen. Eine Aufgabe, die ich nach zwei Jahren nicht vollenden konnte. Es scheiterte zunächst an freien Flächen, dann an steuerlicher Abrechnungsverantwortlichkeit und schlussendlich an Haftungsfragen. Wäre ich nicht an der TU Braunschweig angestellt gewesen, wäre meine Motivation und mein Engagement sicherlich schnell verpufft. Und so ergeht es vielen Bürger_innen, Angestellte_n, Einwohner_in oder Ehrenamtlichen. Das Engagement versandet in bürokratischen Hürden, Intransparenz bei Entscheidungsprozessen oder schlichtweg am fehlenden Netzwerk.

Und genau hier setzt das Prinzip Sandkasten an, was ich schätzen und lieben gelernt und nun im Kleinen nach Berlin mitgebracht habe. Denn wie man weiß: wenn etwas in Braunschweig funktioniert, dann funktioniert es überall. 

Das Prinzip Sandkasten sammelt Ideen, informiert nach kurzer Prüfung ein Gremium aus betroffenen Zuständigkeitsbereichen (bspw. Gebäudemanagement, Finanzabteilung, Präsidium, etc.). Dieses Gremium kann nun bei Bedenken ein Veto einlegen, tut es dies nicht, ist die Idee bereit, eine Kampagne zu durchlaufen, die ähnlich einer Crowdfunding Kampagne eine gewisse Anzahl an Unterstützer_innen und Fans benötigt. Das Marketing wird durch das Sandkasten Team und die Pressestelle der TU Braunschweig sowie ggf. die lokale Presse unterstützt. Ist diese Kampagne erfolgreich, so unterstützt Sandkasten das Projekt infrastrukturell, beratend und gemeinsam mit Förderern finanziell und nachhaltig. Die einzelnen Projekte werden so schnell, partizipativ, transparent und gemeinsam mit Expertinnen und Experten umgesetzt.

Eines meiner letzten Projekte in Braunschweig, das wir erfolgreich initiieren konnten, war das Foodsharing Café Futter Teresa.

 

Digitale Partizipation und sozio-ökologische Transformation

Die Zeit beim Sandkasten hat mir gezeigt, wieviel man erreichen kann, wenn man Dinge mit Leidenschaft angeht und schnell auf Gleichgesinnte trifft. Ich selbst bin ständig voller neuer Ideen und Tatendrang und kann glücklicherweise viel ausprobieren und habe während meiner Arbeit bei FRANZUNDSCHOLZ immer das Privileg genießen können, nebenbei viele Abenteuer und neue Dinge ausprobieren zu können.

Nun ist spontan die Immobilie in der Genter Straße frei geworden und der Plan entstanden, dort und von dort aus weitere Projekte nach dem Sandkasten Prinzip zu realisieren – gemeinsam, sozial-ökologisch sinnvoll und nachhaltig.